Rasseportrait: Glen of Imaal Terrier

von Simone Zollinger
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Schweizer Club für Terrier (SCFT)

Da der Irish Glen of Imaal nicht sehr verbreitet ist, tippen viele Leute beim Anblick seines länglichen Körpers und den relativ kurzen Läufen mit den ausgedrehten Pfoten eher auf einen Dackel-Mix, als auf einen Rassehund. Die Pfotenstellung ist beim Glen ein erwünschtes Merkmal, um auf der Jagd kräftig graben zu können – bei den übrigen Terriern gilt eine solche Stellung als Fehler.

Obwohl der Glen bereits im 16. Jahrhundert erwähnt wurde, wurde er als letzter der irischen Terrier anerkannt: 1933 vom Irish Kennel Club als reingezüchtete Rasse, 1975: eigenes Zuchtbuchregister und erst 1981 erfolgte seine Anerkennung durch die FCI.

Die Geschichte und der Ursprung des Glens sind, wie die der anderen irischen Terrier, eher skizzenhaft. Es ist sicher eine sehr alte Rasse, von der man glaubte, dass sie ursprünglich von den Lowland- und Hessian-Truppen entwickelt wurde. Diese kamen im 16. und 17 Jahrhundert von England nach Irland und kolonialisierten später das Gebiet der Wicklow-Berge. In diesen Bergen gibt es ein Tal namens „Imaal“, welches bereits früher berühmt für seine Terrier war – und auch heute noch ist. Besonders ein Typ wird 1904 in einer Fachzeitschrift erwähnt: er entspricht der Beschreibung nach dem heutigen Glen, sei ein Jahrhundert lang separat erhalten und sehr hoch geschätzt worden. Da dieser Terrier sehr genügsam war, konnten ihn auch die armen Bauern der Grafschaft Wicklow als Wächter ihrer Ernte halten und auch züchten.

Während der früheren fünfziger Jahre schwand das Interesse an dieser Rasse; die Zucht war zum Teil so ungeregelt, dass sich keine zwei Glens auch nur ähnlich sahen! Dass diese Rasse überhaupt überlebte, ist der grosse Verdienst der Herren Paddy Brennan aus Tinahely und Willie Kane aus Rathfurnham, beide züchteten sehr gute Hunde. Mit der Gründung der „Glen of Imaal Terrier Owners and Breeders Association“ ging es aufwärts, die erste Ausstellung für diese Rasse wurde 1974 mit 31 gemeldeten Glens abgehalten.

Bis heute hat dieser „grosse Irländer auf kurzen Beinen“ seine Urtümlichkeit erhalten: beeindruckend sind seine enorme Substanz und Stärke (grosse Zähne, starker Kiefer, kräftige Knochen, mächtiger Hals) und seine Beweglichkeit – bei einer Schulterhöhe um 35 cm!

Auf der Jagd ist der Glen ein zäher, stummer Arbeiter, der seine Beute nicht durch Verbellen signalisiert, sondern sie – aufgrund seiner Konstitution – aus dem Bau zieht. Er ist ein völlig ebenbürtiger Gegner für Otter, Fuchs und Dachs.

Auch als lieber, angenehmer Familienhund sollte er seine Aufgabe und Erziehung haben, die seiner Hartnäckigkeit, seiner Willenskraft und Unerschrockenheit genügend Rechnung tragen.

 

Erschienen in "unser Terrier" Nr. 79 / Sommer 2001